Alle wichtigen Fragen zu Energieverträgen, Beschaffungsstrategien und Anbieterwechsel für Gewerbekunden – beantwortet von Carsten Dohmann, unabhängiger Energiemakler mit 27 Jahren Branchenerfahrung.
Vertragsarten & Grundlagen
Was ist der Unterschied zwischen einem Grundversorgungsvertrag und einem Gewerbevertrag?
Ein Grundversorgungsvertrag ist der teuerste Weg, Energie zu beziehen. Er greift automatisch, wenn kein aktiver Liefervertrag besteht. Ein individuell verhandelter Gewerbevertrag kann auf den tatsächlichen Verbrauch, das Lastprofil und die gewünschten Laufzeiten zugeschnitten werden. Der Preisunterschied beträgt je nach Region und Verbrauchsklasse 15 bis 40 Prozent. Viele Unternehmen rutschen nach Vertragsende unbemerkt in die Grundversorgung – ein häufiger und teurer Fehler.
Welche Vertragsarten gibt es für Gewerbestrom?
Im Gewerbebereich sind drei Vertragsarten verbreitet: Der Festpreisvertrag fixiert den Arbeitspreis für die gesamte Laufzeit – maximale Planungssicherheit. Der Indexvertrag koppelt den Preis an einen Referenzindex wie den EEX-Spotmarkt – günstiger in Niedrigpreisphasen, aber mit Preisschwankungsrisiko. Der strukturierte Einkauf kombiniert beide Ansätze: Ein Teil wird als Festpreis gesichert, ein Teil bleibt marktgekoppelt – für Unternehmen, die Risiken begrenzen und trotzdem von Marktchancen profitieren wollen.
Was bedeutet ein Rahmenvertrag für die Energieversorgung?
Ein Rahmenvertrag regelt Preisstruktur, Servicestandards und Abrechnungsmodalitäten für mehrere Lieferstellen oder über mehrere Vertragsjahre hinweg. Er fasst alle Liegenschaften eines Unternehmens unter einem einheitlichen Vertragswerk zusammen. Das vereinfacht die Verwaltung, stärkt die Verhandlungsposition und ermöglicht eine einheitliche Stichtagsabrechnung. Besonders für Unternehmen mit mehreren Standorten und Hausverwaltungen ist der Rahmenvertrag das wirtschaftlich effizienteste Modell.
Was sind typische Vertragslaufzeiten und was ist empfehlenswert?
Gewerbeverträge laufen typischerweise 12, 24 oder 36 Monate. In einem Umfeld steigender Energiepreise sind längere Laufzeiten mit Festpreisgarantie vorteilhaft. In einem fallenden Preisumfeld sind kürzere Laufzeiten oder Indexverträge attraktiver. Die richtige Laufzeit hängt von der aktuellen Marktlage, der Risikobereitschaft und dem Zeitpunkt im Börsenzyklus ab. EVIGO® Energy gibt eine Markteinschätzung ab, bevor eine Laufzeitempfehlung ausgesprochen wird.
Wie funktioniert der Wechsel zu einem Stromtarif für Gewerbe?
Beschaffungsstrategien
Was ist eine Ausschreibung im Energieeinkauf und wie funktioniert sie?
Eine Energieausschreibung ist ein strukturiertes Verfahren, bei dem mehrere Lieferanten gleichzeitig um einen Versorgungsauftrag bieten. Das Unternehmen definiert die Anforderungen – Verbrauchsmenge, Lastprofil, Laufzeit, Ökostromanteil – und sendet diese an eine Auswahl von Lieferanten. Die Angebote werden anhand identischer Kriterien verglichen. Dieses Verfahren erzeugt echten Wettbewerb und führt regelmäßig zu besseren Konditionen als Einzelverhandlungen. EVIGO® Energy führt für Kunden ab 100.000 kWh Jahresverbrauch standardmäßig strukturierte Ausschreibungen durch.
Was ist ein Tranchenmodell in der Energiebeschaffung?
Beim Tranchenmodell wird der Jahresbedarf nicht einmalig, sondern in mehreren zeitlich gestaffelten Teilmengen am Terminmarkt eingekauft. Das reduziert das Risiko, den gesamten Bedarf zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu beschaffen. Über das Jahr verteilt werden günstige Einkaufszeitfenster genutzt und der Durchschnittspreis geglättet. Dieses Modell ist ab etwa 500.000 kWh Jahresverbrauch relevant und erfordert einen erfahrenen Berater, der den Markt kontinuierlich beobachtet.
Preise & Konditionen
Was ist eine Preisgarantie im Energievertrag und worauf muss man achten?
Eine Preisgarantie sichert zu, dass der Arbeitspreis während der Vertragslaufzeit nicht verändert wird. Wichtig: Viele Verträge garantieren nur den Arbeitspreis, nicht jedoch Netzentgelte, Steuern und Umlagen – diese können sich trotz Preisgarantie ändern. Beim Vertragsvergleich sollte immer geprüft werden, was genau garantiert ist. EVIGO® Energy macht diesen Unterschied in jeder Angebotsübersicht transparent.
Was ist ein Leistungspreis und wie beeinflusst er die Energierechnung?
Der Leistungspreis wird nicht nach verbrauchter Energie, sondern nach der maximal abgerufenen Leistung in Kilowatt berechnet. Je höher die Lastspitzen eines Betriebs, desto höher der Leistungspreis. Durch Lastmanagement oder zeitliche Verteilung des Maschinenstarts lässt sich der Leistungspreis gezielt senken. Die Analyse der Leistungsspitzen ist Teil jeder EVIGO®-Erstanalyse.
Was ist Stichtagsabrechnung und welche Vorteile hat sie?
Stichtagsabrechnung bedeutet, dass alle Energielieferungen zu einem einheitlichen Stichtag abgerechnet werden – unabhängig von den individuellen Ablesedaten der Zähler. Alle Rechnungen kommen gebündelt zum gleichen Termin: planbar, übersichtlich, einfach zu verwalten. Für Hausverwaltungen und Unternehmen mit mehreren Lieferstellen ein erheblicher organisatorischer Vorteil.
Wechsel & Kündigung
Was passiert, wenn ein Gewerbevertrag ausläuft und nicht rechtzeitig gekündigt wird?
Wird ein Gewerbevertrag nicht fristgerecht gekündigt, verlängert er sich automatisch um die vereinbarte Laufzeit – meist ein weiteres Jahr. Die Kündigungsfrist beträgt je nach Vertrag vier Wochen bis drei Monate vor Vertragsende. Wer diese Frist verpasst, ist in der Regel ein weiteres Jahr gebunden – oft zu schlechteren Konditionen. EVIGO® Energy verwaltet für betreute Kunden die Fristen aktiv und gibt rechtzeitig Bescheid.
Kann ein Energievertrag während der Laufzeit gekündigt werden?
Standardmäßig ist eine außerordentliche Kündigung nur bei schwerwiegenden Vertragsverletzungen des Lieferanten möglich – etwa unangekündigten einseitigen Preiserhöhungen. Manche Verträge enthalten Sonderkündigungsrechte bei Betriebsaufgabe oder Standortverlagerung. Eine ordentliche Kündigung außerhalb der Vertragslaufzeit ist in der Regel nicht möglich. EVIGO® Energy liest alle Vertragsentwürfe vor der Unterzeichnung durch und weist auf ungünstige Klauseln hin.
Was muss bei einem Anbieterwechsel konkret vorbereitet werden?
Benötigt werden: die aktuelle Jahresrechnung, die Zählpunktnummer aller Lieferstellen, der aktuelle Vertrag mit Laufzeit und Kündigungsfrist sowie bei höherem Verbrauch die Lastgangdaten der letzten 12 bis 24 Monate. EVIGO® Energy fordert diese Unterlagen beim bestehenden Versorger an und übernimmt Kündigung und Anmeldung beim neuen Lieferanten vollständig – der Kunde erteilt lediglich die Vollmachten.
Ihre Frage ist nicht dabei?
Carsten Dohmann beantwortet konkrete Fragen zu Ihrer Energiesituation persönlich – kostenfrei und unverbindlich.
